Aktuell

Wir leben in Zeiten radikaler Veränderungen. 

Werte, die sicher schienen, erodieren. Wir haben viele Fragen für die Zukunft und nur wenige Antworten. Wir befinden uns in einer Epoche, die Unsicherheit verspricht. Wie werden wir arbeiten? Wie werden wir miteinander kommunizieren? Wie gut wird unser sozialer Zusammenhalt funktionieren? Wie wird sich unser demokratisches System auf der Grundlage von Toleranz und Freiheit bewähren? Wie werden wir in einer Welt zusammenleben, in der Eigennutz und Vorteil, Gewinn und Wachstum, aber auch Angst zu den Säulen der Weltsicht gehören?

Wo fängt das alles an?

Die Schule ist der Kern der Gesellschaft. Aber heute, ob in den USA oder in Europa, stehen wir vor einer 100-jährigen Stagnation des Bildungssystems. Die öffentliche Schule entspricht den Anforderungen des 20. Jahrhunderts. Junge Menschen werden, frontal beschallt, zu Erfüllungsgehilfen. Sie müssen etwas lernen, reproduzieren und Arbeitsblätter ausfüllen, deren Ergebnisse dann im Lehrerhandbuch zu finden sind. Die komplette Unterforderung von Kreativität und eine Überforderung mit Struktur. Viele Kinder, die sich auf die Schule gefreut haben, sind enttäuscht, verlieren den natürlichen Wunsch zu lernen. Weil sich die Schule heute auf Vergleichbarkeit, Selektion, und das Lernen im gleichen Tempo konzentriert. Gedrillt, funktional formatiert, für einen Arbeitsmarkt, den vielleicht einmal das Industriezeitalter zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts verlangt hat.

Die Schule ist neben der Familie die mächtigste Institution. Sie hat einen entscheidenden Einfluss auf die Denkweise und Einstellung. 

Was wir hier als Kultur, Angst oder Misserfolg erleben, werden wir immer als Kultur in unserem Leben mit uns tragen. Hier entstehen die inneren Bilder und Muster, die uns begleiten. Es geschieht vor allem durch den "geheimen Lehrplan", die gelebte Kultur in der Schule. Steht der Mensch im Mittelpunkt oder die Bearbeitung von Curricula? Gibt es einen Geist der Würde und Menschlichkeit oder einen Geist des Defizits, der Standardisierung und Verwaltung? 

Kreativität ist der Rohdiamant in uns allen. Aber sobald die Schule kommt, endet sie für die meisten. Laut einer Forsa-Umfrage von 2018 haben 30% der schulpflichtigen Kinder in Deutschland Angst. In Zeiten, in denen Herzbildung, Kreativität, Komplexität und Querdenken wichtig sind, lehrt der Lehrplan Fragmentierung, Themenkorsett, Hierarchie der Fächer, Schritt für Schritt und alles im Wettbewerb.

Lenny war ein leidenschaftlicher Lehrer. 

Schon 1990, als der Komponist und Dirigent Leonard Bernstein die Bernstein Education Through the Arts Stiftung gründete, wusste er, dass wir zukünftig Menschen brauchen, die sich als vernetzte Individuen begreifen. Er sah in jedem Einzelnen einen Menschen, der etwas tun kann und sollte, der herausfinden sollte, wofür sie oder er in der Welt ist, wofür sie oder er das Genie ist. Lenny war der Überzeugung, dass wir mehr Potenziale in uns tragen als die Schule uns heute anbietet, und er wusste, dass das Gehirn nicht dazu bestimmt ist auswendig zu lernen. Wirklich gelernt wird schließlich erst, wie die Neurowissenschaften heute wissen, wenn Emotionen mit Erfahrungen verknüpft werden. Diese Erkenntnisse führten zu dem transformativen Lernmodell Artful Learning.

Während unserer Arbeit an einem Film über Artful Learning konnten wir es persönlich erleben:

Welche schöpferischen Kräfte und welcher große Lernwille, welche inspirierende Motivation und Freude die Schule für Kinder und Lehrer entfalten kann. 

Die Willow Grundschule in Napa, Kalifornien, ist eine Gemeinschaft, die sich "der akademischen Exzellenz durch die Künste" verschrieben hat und gleichzeitig Mitgefühl, Neugier und Lernfreude weckt. Hier in Kalifornien, wie auch in 17 anderen Schulen in neun Staaten der USA, wird Lennys Idee des Lernens durch die Künste oder auch kunstvolles Lernen seit vielen Jahren gelebt. Als Magnetschule im Napa Valley konzentriert sich das Schulprogramm hier auf Artful Learning, integriert künstlerische Prozesse in den täglichen Unterricht. Die Methodik verwendet einen interdisziplinären Ansatz. Übergeordnete Themenkomplexe, die wichtige Fragen aufwerfen, ermöglichen es den Lehrern, ein breites Spektrum an anspruchsvollen wissenschaftlichen Inhalten zu vermitteln. Hier kann man erleben, wie das Lernen ein tieferes Verständnis der Schüler und ein hohes Maß an Engagement unter ihnen schafft. Eine Bildung, die dazu beiträgt, Potenziale in jedem Einzelnen zu entfalten und junge Menschen in ihrer individuellen Entwicklung zu unterstützen, sie befähigt und motiviert, selbstständig und vernetzt zu handeln, Muster zu durchbrechen, kreativ und mutig zu sein, Verantwortung zu übernehmen und Herausforderungen anzunehmen.

In der Willow Grundschule haben wir etwas unglaublich Wertvolles erlebt, das nicht nur ein visionäres Modell für die Zukunft und ein wichtiger Beitrag zur aktuellen Diskussion ist, sondern tatsächlich existiert und gedeiht. Wissenschaftlich evaluiert und bewährt, greifbar und wahrnehmbar bei jedem Kind und jedem Lehrer. Das ist beeindruckend und gibt große Hoffnung für die Zukunft.

Hier in Napa, mit Artful Learning, wird deutlich, wie dringend wir eine neue Lernkultur brauchen, eine Kultur der Wertschätzung von Beziehungen, eine Kultur der Potenzial Entwicklung. Denn die hier gelehrten Fähigkeiten wie kognitive Flexibilität, emotionale Intelligenz, Koordination mit anderen, Kreativität, kritisches Denken für komplexe Problemlösungen werden in Zukunft unentbehrlich sein.

Die Zeit für das Handeln ist reif. 

Noch nie zuvor war das Fenster für grundlegende Veränderungen so weit offen. Die Schüler sind frustriert, die Eltern sind überfordert, die Wirtschaft ist unzufrieden - viele glauben, dass etwas nicht stimmt. Viele spüren unsere Welt und was sie braucht und die alte Schule passen nicht mehr zusammen.

Artful Learning kann einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung der Bildung in Europa leisten. Dieses Modell und vor allem die langjährige positive Erfahrung der Schulen in den Vereinigten Staaten kann zur Debatte beitragen, ein Beispiel geben und eine Lücke in der Diskussion über die Zukunft der Bildung schließen, die wir heute in Europa bewältigen müssen.

Zukunftssichere Gesellschaften brauchen zukunftssichere Schulen. 

Unsere Zukunft hängt von Träumen und Visionen ab. Deshalb aus tiefstem Herzen, danke Lenny, denn wir brauchen deine Vision heute mehr denn je.

artfullearning.org

Besonderer Dank allen Beteiligten, vor allem den Schülern und Lehrern der Heinz-Brandt-Schule Berlin, insbesondere Miriam Pech, Alexandra Kersten und Thérèse Remus, der Theater AG und dem Debatier Club sowie Nadine Roßa für ihre inspirierenden Illustrationen und Frieda Oberlin und ARRI Media für ihre großartige Unterstützung bei der Realisierung des Projekts, Magret Rasfeld und Jamila Tressel von Schulen im Aufbruch, Caroline Treier und der ESBZ sowie Silke Friedrich und der Berlin Metropolotain School für ihre großartige Unterstützung bei der Recherche in Berlin, und Pam Perkins und allen Lehrern, Schülern und Eltern der Willow Elementary School für die großartige Unterstützung, ihr Vertrauen und die Partnerschaft bei der Zusammenarbeit in Napa, Kalifornien.